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Unterwegs in Roßlau

Von Mühlen und Tempeltoren

Ölmühle

Dort, wo Wasser fließt, sind auch Mühlen nicht weit. So war es jedenfalls früher. Und so gab es auch in Roßlau bereits im Jahr 1415 urkundlich erwähnte Mühlen, alle an der Rossel gelegen, einem Flüsschen,  das sich hervorragend zur Anlage und zum Betrieb von Wassermühlen eignete. Vermutet wird aber, dass die Mühlen doch bedeutend älter sind.

Eine davon war die Amtsmühle, man könnte sie auch als Roßlaus Hauptmühle bezeichnen, war sie doch die größte. Über ihre Geschichte vor 1700 ist wenig bekannt. Im Jahr 1698 entschloss man sich, die Mühle zu verkaufen bzw. in Erbpacht zu geben - heute würde man von Privatisierung sprechen. Ein Brand zerstörte 1870 die Amtsmühle, bis 1895 wurde sie aber wieder aufgebaut. Eine Erneuerung erfuhr die Mühle unter dem Besitzer Ludwig Lipmann, der sie ausbauen und mit Elektromotoren ausstatten ließ. Als Gesellschafter der Gebrüder Lipmann OHG fungierten Richard und Dr. Paul Bruck, die sich aber als jüdische Bürger dem Druck der Nationalsozialisten beugen und die Amtsmühle 1935 verkaufen mussten. Nachdem der neue Besitzer im Jahr 1957 in den Westen floh, ging der Mühlenkomplex, bestehend aus drei Gebäuden, entschädigungslos in Volkseigentum über.  Die Mühle war noch bis 1992 in Betrieb, im Kontorgebäude hatte Justitia ihren Sitz und die Villa wurde als Kindergarten genutzt. Die politische Wende brachte dann grundlegende Veränderungen mit sich. Nach der Rückübertragung des Besitzes an die Familie Bruck erwarb ein privater Investor diesen und eröffnete nach umfangreicher Sanierung eine Seniorenresidenz. Die Villa wird derzeit ebenfalls zu diesen Zwecken hergerichtet. Ein Restaurant mit verschiedenen Sälen lädt zum Verweilen ein.

Villa der AmtsmühleAuch die Kleine Mühle blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück. Seit dem 16. Jahrhundert erwähnt, diente sie als Tuch-, Walk- und Ölmühle. Bereits in den 1920-er Jahren hatte sie als solche ausgedient und wurde nun zu einem Wohngebäude. In den 1980-er Jahren sollte die mittlerweile leer stehende und dem Verfall preisgegebene Ölmühle abgerissen werden. Diesem Schicksal entging sie aber - 1987 stellte die Stadt sie unter Denkmalschutz und erwarb sie 1991 von den Erben der Familie Bruck, die nach der Pogromnacht von den Nationalsozialisten enteignet wurden. Nach umfangreicher Sanierung präsentiert sich die Ölmühle heute als wahres Schmuckstück fachwerklicher Baukunst. In ihr haben nun verschiedene Zirkel, Initiativen und Interessengemeinschaften, alle unter dem Dach des Vereins Ölmühle e.V., ihre Heimstatt gefunden.

PylonenWer den alten Friedhof in Roßlau besucht, dem fallen sie ins Auge - die Pylonen. Pylonen dienten im alten Ägypten vorzugsweise als Eingangstor zu Tempelbauten. Errichtet wurden sie in Roßlau 1822/23 im Zusammenhang mit der Erweiterung des mittlerweile zu klein gewordenen Friedhofs und dienten als Eingangsportal zum neuen Gelände. Dem Hof- und Landbaumeister Christian Gottfried Heinrich Bandhauer (1790-1837), der u. a. für die Schlosskirche St. Marien in Köthen und eine Vielzahl anderer Bauten im Köthener Land und in Roßlau verantwortlich zeichnete, wurde die Planung übertragen. Die beiden als Backsteinrohbau ausgeführten, pyramidenstumpfähnlichen Hohlkörper am Roßlauer Friedhof sind von schlichter, wuchtiger Erscheinung und dienten als Abstellraum. Heute ist der Roßlauer Friedhof mit seinem aus Pylonen gebildeten Eingangsportal ein herausragendes Zeugnis spätklassizistischer Baukunst im Land Anhalt. Bandhauers sterbliche Überreste wurden im Jahr 2002, nachdem seine Gruft bei Tiefbauarbeiten stark beschädigt wurde, in eine der Pylonen wieder eingebettet.                        

Cornelia Müller

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