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Anhaltische Landesbücherei Dessau

Meilenstein der Reformation

Der Kultusminister von Sachsen-Anhalt, Stephan Dorgerloh, übergab am 20. Januar ein Hinweisschild an den Oberbürgermeister der Stadt Dessau-Roßlau, Peter Kuras. Dieses weist darauf hin, dass es nun einen weiteren UNESCO-Schatz in Dessau-Roßlau gibt, konkret in der Wissenschaftlichen Bibliothek der Anhaltischen Landesbücherei Dessau, an deren Mauerwerk es auch angebracht wurde. Zum Inhalt und der Bedeutung des Buches aus dem Bestand der Anhaltischen Landesbücherei Dessau, das bereits im Oktober letzten Jahres durch die Aufnahme in das UNESCO-Programm „Memory oft he World – Das Gedächtnis der Menschheit“ „geadelt“ wurde, findet ein moderiertes Gespräch mit zwei höchst kompetenten Wissenschaftlern und Buchautoren statt. 

Ursprünglich sollte diese Veranstaltung am 26. Januar um 19 Uhr in der Wissenschaftlichen Bibliothek durchgeführt werden. Aufgrund der Fülle der bereits jetzt vorliegenden Anmeldungen hat sich der Veranstalter dazu entschlossen, am 26. Januar in die Marienkirche zu wechseln. Der Beginn der Veranstaltung wurde um eine Viertelstunde nach hinten verschoben, so dass auch all Diejenigen, die bis dahin von dem Ortswechsel noch nicht erfuhren, genug Zeit haben, den Weg von der Bibliothek bis zur nahegelegenen Marienkirche zu absolvieren, ohne den Beginn der Veranstaltung zu verpassen.

Nach dem Gespräch mit Prof. Dr. Ernst Koch aus Leipzig und Prof. Dr. Ulrich Köpf aus Tübingen, moderiert vom Leiter der Anhaltischen Landesbücherei Dessau, Dr. Adrian La Salvia, wird noch zu einem kleinen Empfang in die Wissenschaftliche Bibliothek geladen, in dessen Rahmen auch das Weltdokumentenerbe, Luthers Römerbriefvorlesung, präsentiert wird. Zusammen mit einigen weiteren historisch-bibliophilen Schätzen aus dem wertvollen Bestand der Anhaltischen Landesbücherei Dessau. Diese Präsentation wird dann auch eine weitere Woche während der Öffnungszeiten der Bibliothek Interessenten gezeigt. Bis zum 2. Februar.

Für den Besuch der Veranstaltung in der Marienkirche (26. Januar, 19.15 Uhr, Marienkirche) wird um eine telefonische Anmeldung gebeten, unter der Rufnummer (0340) 214734 oder (0340) 2042048.


Auf Antrag des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte in Mainz wurden insgesamt 14 ausgewählte Zeugnisse zu Martin Luthers früher Wirksamkeit aus deutschen Bibliotheken und Archiven in das UNESCO-Dokumentenerbe aufgenommen. Das Dessauer Exemplar von Luthers Römerbrief-Vorlesung (1515/16) in einer studentischen Mitschrift von Sigismundus Reichenbach nimmt unter den nominierten Dokumenten eine herausragende Stellung ein, weil es nicht nur Luthers eigene intensive Auseinandersetzung mit dem Römerbrief dokumentiert, sondern auch seine Wirksamkeit als Lehrer und die Ausstrahlung, die von seiner Person durch das gesprochene Wort ausging. Interessanterweise stimmt die Mitschrift aber nicht in allen Punkten mit Luthers Manuskript überein, was darauf hindeutet, dass Luther selbst von seinen Aufzeichnungen abgewichen ist.

Die Dessauer Vorlesungsmitschrift stammt aus dem Besitz des Fürsten Georg III. von Anhalt, der selbst ein bedeutender Theologe und eine treibende Kraft der Reformation war. 1545 wurde er im Merseburger Dom von Martin Luther kurz vor dessen Tod zum evangelischen Bischof ordiniert. Seine umfangreiche Büchersammlung, die seit 1927 zum Bestand der Anhaltischen Landesbücherei gehört, ist eine der wertvollsten historischen Büchersammlungen der Reformationszeit im mitteldeutschen Raum.

Mit Prof. Ernst Koch und Prof. Ulrich Köpf konnten für die Festveranstaltung zwei ausgewiesene Experten gewonnen werden, die in einem von Dr. Adrian La Salvia moderierten Gespräch Luthers Römerbrief-Vorlesung und ihre Bedeutung erläutern werden. Prof. Ernst Koch ist Honorarprofessor an der Theologischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Zahlreiche seiner Veröffentlichungen beschäftigen sich mit der Reformations- und Kirchengeschichte. Prof. Ulrich Köpf ist emeritierter Kirchenhistoriker, ehemaliger Leiter des Instituts für Spätmittelalter und Reformation der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und Mitarbeiter der Weimarer Ausgabe der Werke Martin Luthers. Musikalisch umrahmt wird der Abend mit Musik der Reformationszeit, gespielt vom BROKEN CONSORT DESSAU.

Die Aufnahme in das UNESCO-Dokumentenerbe ist eine große Auszeichnung für ein kleines, vermeintlich unscheinbares Dokument und für die Anhaltische Landesbücherei Dessau, eine große Auszeichnung aber auch für die an Auszeichnungen reiche Stadt Dessau-Roßlau, bedeutet sie doch nicht weniger als den vierten UNESCO-Welterbe-Titel für Dessau-Roßlau, eine - zumindest im deutschsprachigen Raum - wohl einmalige Anhäufung von Qualitätsprädikaten.

Vom 28. Januar bis 2. Februar kann die Römerbrief-Vorlesung zu den Öffnungszeiten der Wissenschaftlichen Bibliothek in der Zerbster Straße 35 (Mo, Di, Do, Fr 10 bis 18 Uhr) besichtigt werden.
 

 

 

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