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Neue Meisterhäuser in Dessau

Bundespräsident kommt zum Eröffnungsfest

Am 16. Mai werden im Beisein des Bundespräsidenten Joachim Gauck die neuen Dessauer Meisterhäuser der Öffentlichkeit übergeben. Die Stadt Dessau-Roßlau und die Stiftung Bauhaus Dessau laden zu einem dreitägigen Fest bis zum 18. Mai, bei dem die nunmehr reparierte Meisterhaussiedlung in Augenschein genommen werden kann.

Vielfältige Veranstaltungs- und Ausstellungsangebote ergänzen das Besuchsprogramm an den drei Tagen. Alle Bauhausbauten und andere Stätten der Moderne stehen den Besuchern offen. Zudem gibt es Führungen rund um die moderne Architektur in Dessau-Roßlau.

Am Freitagnachmittag (16.00 bis 17.00 Uhr) beschwören Künstler des Anhaltischen Theaters Dessau die Geister der ersten Meisterhausbewohner. Im Anschluss (17.30 bis 19.30 Uhr) spielt die Jugendbigband Anhalt mit der international bekannten Jazzsängerin Pascal von Wroblewsky, dank des Engagements der Kurt-Weill-Gesellschaft e. V., auf der Bühne der Ebertallee. Die jungen Vollblutmusiker aus Anhalt begeistern ihr Publikum mit prallem Bigband-Sound.

Ein Fest mit Künstlern aus Sachsen-Anhalt erwartet die Besucher am Samstag von 11.00 bis 16.00 Uhr an der 13 Meter langen Tafel auf der Ebertallee vor der Meisterhaussiedlung. Dabei sind u. a. Rebekka Rauschhardt, Anne Retzlaff und das Künstlerduo Georg Lisek und Susanne Hopmann, die mit Kunst, Tanz und Performances im Geiste Oskar Schlemmers viele Überraschungen und Sichtweisen auf die Gärten und das Leben in den Meisterhäusern bereithalten.

Am Samstagnachmittag (14.00 bis 18.00 Uhr) sind Hattula Moholy-Nagy, Tochter des Bauhausmeisters László Moholy-Nagy, und Monika Stadler, Tochter Gunta Stölzls, zu Gast. Hattula Moholy-Nagy stellt im Haus Moholy-Nagy das erstmals in deutscher Sprache erschienene Buch ihres Vaters „Vision in Motion“ vor. Monika Stadler wird im Haus Schlemmer eine Kiste ihrer Mutter mit Bauhausutensilien übergeben, darunter auch eine Midgard-Lampe, wie sie in den Meisterhäusern einst zum Einsatz kam. Am Abend spielt das Dessauer Jazz-Trio „iNK“ und das Meister-Kino zeigt Wim Wenders Roadmovie „Alice in den Städten“.

Am Sonntag wird der 131. Geburtstag des Bauhausgründers Walter Gropius mit einer großen Party begangen. Kinder und Jugendliche können am Samstag und Sonntag ihre kreativen Ideen zum gemeinsamen Wohnen beim museumspädagogischen Angebot der Stiftung Bauhaus umsetzen.

Zudem wird am Eröffnungswochenende ein umfangreiches Führungsprogramm geboten, darunter exklusive Rundgänge durch die „Neuen Meisterhäuser“, Themenführungen zu den „Bauhausmeistern“ und ihren ehemaligen Wohnstätten bis hin zu weiteren Rundgängen zum Thema Bauhaus und Moderne in Dessau.

Im Bauhausgebäude zeigt die Ausstellung „Dessau 1945: Moderne zerstört“ (täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr) die Bauhausstadt nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten bis zur Stunde Null. Als berühmter Kronzeuge dokumentierte der französische Fotograf Henri Cartier-Bresson die Rückkehr französischer Zwangsarbeiter und Kriegsgefangener und machte dabei Halt in Dessau.

Nun können wir am letzten Mai-Wochenende ein wahrlich MEISTERhaftes, eröffnendes Fest erleben.
 

 Programm Eröffnungswochenende

Dessau - Bauhaus-Elbe-Gartenreich

Wer an Dessau denkt, denkt an Architektur und Design sowie an das einzigartige Gartenreich, welches im Biosphärenreservat Mittelelbe eingebettet ist. Kein Besucher kann sich der besonderen Atmosphäre der zwei UNESCO-Weltkulturerbestätten entziehen, die sowohl vom Gartenreich Dessau-Wörlitz als auch von dem von Walter Gropius errichteten Bauhausgebäude ausgeht.

Nicht nur das berühmte Bauhaus und das Ensemble der Meisterhäuser sind Stätten der klassischen Moderne in Dessau. Vom Arbeitsamt und dem Kornhaus bis hin zur Siedlung Törten, bestehend aus 314 Reihenhäusern und Gärten, lässt sich Bauhausarchitektur in ihrer ganzen Vielfalt und Authentizität verstehen.

Das Bauhaus und die Meisterhäuser – Labor der Moderne

Als das Bauhaus 1925 von Weimar nach Dessau übersiedelte, sicherte Oberbürgermeister Fritz Hesse dem Bauhausgründer Walter Gropius nicht nur die Finanzierung eines neuen Schulgebäudes zu, sondern versprach ihm obendrein auch eine Wohnsiedlung für die Bauhauslehrer, die sich seit Weimarer Tagen Meister nannten. Bereits ein Jahr später waren das Bauhausgebäude und die Meisterhäuser fertig und wurden zu Symbolen einer Gestaltungs- und Bildungsrevolution. Bis heute stehen sie weltweit für die weiße Moderne schlechthin.

Diese Einzigartigkeit war es vor allem, die dazu führte, dass das Bauhaus und die Meisterhäuser 1996 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wurden.

Die Meisterhaussiedlung avancierte zum Inbegriff der Künstlerkolonie des 20. Jahrhunderts. Wegweisende künstlerische Arbeiten der Klassischen Moderne entstanden in den kubischen Wohn- und Atelierhäusern. Außerdem galt die Siedlung als eine Art Experimentallabor des Bauhauses für das neue Wohnen. Mit Walter Gropius, Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe lebten hier alle drei Bauhausdirektoren Tür an Tür mit den Bauhauslehrern Laszlo Moholy-Nagy, Lyonel Feininger, Georg Muche, Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky sowie Paul Klee.
Später kamen noch Anni und Josef Albers, Gertrud und Alfred Arndt, Gunta Stölzl sowie Lou und Hinnerk Scheper dazu. Mit dem Ende der Weimarer Republik und somit dem Ende der ersten Demokratie auf deutschem Boden verließen die Bauhausmeister und ihre Schüler ihre Dessauer Wirkungsstätte.

Nach einem kurzen Intermezzo in Berlin löste sich das Bauhaus 1933 unter dem Druck der Nationalsozialisten auf. Viele Bauhäusler mussten emigrieren und sollten nie wieder nach Deutschland zurückkehren. Die Nazis empfanden die nun leergezogenen Meisterhäuser als „undeutsch“ und ließen sie überbauen. Als Dessau im Frühjahr 1945 bombardiert wurde, versanken auch das Direktorenhaus und die Meisterhaushälfte Moholy-Nagy in Schutt und Asche. Die übriggebliebenen Häuser überdauerten vermietet und fremdgenutzt auch die DDR-Jahre. Von der einstigen Bauhausarchitektur war allerdings nichts mehr zu sehen.

Mit der deutschen Einheit wendete sich das Schicksal für die Siedlung. Die Stadt Dessau war dank finanzkräftiger Geldgeber in der Lage, die verbliebenen Häuser Feininger (1994), Kandinsky/Klee (2000) und Muche/Schlemmer (2001) zu sanieren. Die Meisterhaussiedlung erhielt ihr Gesicht zurück, blieb aber ein Fragment. Jahrelang wurde darüber gestritten, ob und wie die zerstörten Häuser wieder aufzubauen wären. Im Jahr 2007 lobte die Stadt Dessau-Roßlau einen Architekturwettbewerb zur städtebaulichen Reparatur der Gesamtanlage Meisterhäuser aus, der aber zunächst zu keinem klaren Ergebnis führte.

Die Wende gelang 2010 mit dem Auswahlverfahren: Unter Beratung des englischen Stararchitekten David Chipperfield und weiterer Experten wurde beschlossen, die Meisterhäuser Gropius und Moholy-Nagy nicht eins zu eins wieder zu rekonstruieren, sondern mit den Mitteln der zeitgenössischen Architektur zu errichten. Somit sind sie in einer innovativen Reduktion und in Abstraktion des Ursprungbaus wieder entstanden. Im Innern der Häuser realisiert der Künstler Olaf Nicolai eine Arbeit, die den ursprünglichen Dialog zwischen der Architektur von Gropius und den Bauhauskünstlern nachvollzieht. Auch die von Mies van der Rohe entworfene Trinkhalle vervollständigt, eingefügt in die Umfassungsmauer, wieder das Gesamtensemble Meisterhäuser.

 Programm zum Eröffnungswochenende      

 Informationsflyer          

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