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Erhalt des Anhaltischen Theaters

OB ruft Bürger zum Besuch der Stadtratssitzung auf

Einer der kulturellen Leuchttürme der Stadt Dessau-Roßlau, das Anhaltische Theater, ist aufgrund der drastischen Sparpolitik des Landes in seiner Existenz bedroht. In den letzten Wochen gab dies zu verschiedenen öffentlichen Aktionen Anlass, mit denen das Spardiktat aus Magdeburg hinterfragt wurde. Leider ist seitens des Landes seither nicht klargestellt worden, wie man sich die Zukunft des traditionsreichen Hauses vorstellt. Dass es nicht ausreicht, starre Zahlenvorgaben zu machen, deren Umsetzung nicht realistisch ist, wurde in den betroffenen Städten vielfach beklagt. Andererseits zeichnet sich auch ab, dass ein “weiter wie bisher” wohl nicht möglich sein wird.

Am Mittwoch, dem 28. August 2013, tritt der Stadtrat Dessau-Roßlau im Anhaltischen Theater Dessau zu einer Sondersitzung zusammen, auf der eine sechs Punkte umfassende “Resolution zum Erhalt des Anhaltischen Theaters Dessau” verabschiedet werden soll.

Darin wird das Bekenntnis für eine nachhaltige Kulturpolitik in Sachsen-Anhalt eingefordert und verlangt, dass der Sparkurs des Landes entgegen der gegenwärtigen Kahlschlagspolitik auch konzeptionell untersetzt wird. Ein Strukturanpassungsfonds des Landes für die Theater soll weiterhin die finanzielle Existenz der bedrohten Ensembles absichern und der gegenwärtige Prozess des Einsparens soll verlangsamt werden, um tatsächlich zukunftsfähige Lösungen auf den Weg bringen zu können. Eine Kooperation sämtlicher Theater Sachsen-Anhalts könnte dabei möglicherweise ein tragfähiges Modell darstellen.

Oberbürgermeister Klemens Koschig ruft die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Dessau-Roßlau herzlich auf, die Sitzung des Stadtrates zu besuchen und sich für den Erhalt des Anhaltischen Theaters einzusetzen sowie öffentlich Flagge zu zeigen. Sie beginnt um 16.00 Uhr und findet im Großen Haus statt. Der OB hat auch den Kultusminister und alle Landtagsabgeordneten der Region Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg eingeladen. 

 

Pflöcke eingeschlagen

Dessau-Roßlau hat sein Theater fest verankert

Dessau-Roßlau hat am 28. Juni, ab 11.55 Uhr mit hunderten von Seilen und Pflöcken sein Theater fest verankert, um gegen die drastischen Kürzungsabsichten der Landesregierung Sachsen-Anhalts bei der Theaterförderung zu protestieren. Das Kultusministerium Sachsen-Anhalt beabsichtigt, 2.9 Mio Euro beim Anhaltischen Theater zu kürzen. Diese Summe wäre nicht einmal durch die Abwicklung von Schauspiel und Ballett zu erbringen. Die Kürzungen gefährden die Existenz des gesamten Theaters. Dies wurde durch ein externes Gutachten bestätigt.

Über 2000 Menschen versammelten sich auf dem Theatervorplatz und rund um das Theater und verfolgten die spektakuläre Abseilaktion von 12 Kletterern, die sich aus 30 Meter Höhe vom Dach des Theatergebäudes an Tauen abseilten und den Kunstprotest damit eröffneten.

Die Besucher beteiligten sich aktiv beim Vertäuen des Theaters und erlebten zahlreiche künstlerische Beiträge aus allen Sparten sowie Grußworte und Solidaritätsbekundungen u.a. von Klemens Koschig (Oberbürgermeister der Stadt Dessau-Roßlau), Ulrich Fischer (Intendant des Theaters Eisleben), Thomas Markworth (Präsident der Kurt-Weill-Gesellschaft) und des Oberkirchenrats der evangelischen Landeskirche Sachsen-Anhalts, Manfred Seifert.

Klemens Koschig protestierte mit einer Axt über der Schulter gegen die Kürzungspläne des Landes. Er forderte ein Ende des Sparkurses in der Kultur zu Lasten der Kommunen.

André Bücker, Generalintendant des Anhaltischen Theaters Dessau, betonte noch einmal die Jahrhunderte alte Tradition des Anhaltischen Theaters: "Es ist ein Skandal, dass man überhaupt darüber nachdenkt, dieses Theater zu schließen. Es ist genug Geld da. Ich glaube, es wird im Landtag gerade für neun Millionen Euro eine neue Telefonanlage eingebaut. Und bei den Theatern werden sieben Millionen gestrichen. Da stehen hunderte von Arbeitsplätzen auf dem Spiel. Ist das denn gerecht? Ist das eine Art von Politik, die irgendwie Sinn macht?"

Vertreter der Initiative „Land braucht Stadt“ starteten im Anschluss an die Protestaktion eine Mahnwache. Bis Montagmorgen 8.00 Uhr haben Menschen aus der Stadt das Anhaltische Theater und die Protest-Kunst-Installation geschützt. Das heißt: 66 Stunden Mahnwache nonstop! Und zusätzlich gab es zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten ein kleines Kulturprogramm: mit Lesungen und Musik, einem Besuch vom Nachtwächter, einem gemeinsamen Frühstück auf der Theatertreppe und einem Fußballspiel. Zu jeder Tages- und Nachtzeit waren Besuche ausdrücklich erwünscht.
 

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