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Barocker Silberbecher kehrt zurück

Feierliche Übergabe in der Marienkirche

Ende des Jahres 2008 erhielt die Stadt Dessau-Roßlau vom Kunsthaus Galerie Neuse, Bremen, das Angebot zum Erwerb eines eindrucksvollen Dessauer Silberbechers. Dieser wurde gegen Ende des 17. Jahrhunderts vom Meister ICG in Dessau angefertigt.

Am Mittwoch, den 22. September, um 16.30 Uhr wird in der Marienkirche Dessau der Deckelbecher Deckelbecheran die Stadt Dessau-Roßlau übergeben. Anschließend besteht die Möglichkeit, das Objekt in der Dauerausstellung des Museums für Stadtgeschichte Dessau "Schauplatz vernünftiger Menschen. Kultur und Geschichte in Anhalt|Dessau" zu besichtigen. Vertreter der Medien sind herzlich eingeladen.

Durch die Bereitstellung von finanziellen Mitteln durch die Kulturstiftung der Länder, die Ernst von Siemens Kunststiftung, das Land Sachsen-Anhalt sowie durch einen anonymen privaten Spenders wurde der Rückerwerb dieses einmaligen Kunstobjektes für die im Jahre 2005 eröffnete Dauerausstellung des Museums für Stadtgeschichte Dessau ermöglicht. Zwar zählte Dessau in der frühen Neuzeit nicht zu den großen Zentren der Gold- und Silberschmiedekunst, dennoch verfügten die damaligen Kunsthandwerker über große Fähigkeiten. Verantwortlich dafür war sicherlich, dass vor allem der Dessauer Hof unter Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau, genannt "Der Alte Dessauer" (1676-1747), aus Repräsentationsgründen zu deren Auftraggebern zählte. Werke aus Dessauer Goldschmiedeateliers des Barock sind heute außerordentlich selten, denn die Anzahl der Produktion in Dessau war nicht sehr umfangreich.

Die Kenntnisse über das Dessauer Gold- und Silberschmiede-Handwerk sind heute leider ebenfalls gering. Der Dessauer Fürstenhof verlor unter Leopold III. Friedrich Franz (1740-1817) sein Löwe gegen Wildschwein - Tierkampfszene auf dem PrunkbecherSilberinventar durch Einschmelzen 1757 zu Beginn des Siebenjährigen Krieges und 1809 für Kontributionen Napoleons unwiederbringlich; ein Grund dafür, dass Dessauer Goldschmiedekunst so selten auf dem Kunstmarkt erscheint.

Dieser nun erworbene Prunkbecher kann als ein Hauptwerk der Dessauer Goldschmiedekunst des Barock gelten. Das – im Verhältnis zu anderen Beispielen des Typus – ungewöhnlich große und schwere Deckelgefäß ist durch die Originalität des Entwurfs, die handwerklich-technische Virtuosität der Treib- und Ziselierarbeit sowie die Sorgfalt der Oberflächenbearbeitung ausgezeichnet.

Das zylindrische Gefäß steht auf drei Granatapfelfüßen. Die Becherwandung ist mit einem durchbrochenen, reliefartigen Überfang überzogen, der sich mit dem hellen Ton des Silbers kontrastierend gegen den vergoldeten Fond abhebt. Vor der Kulisse eines dicht mit Bäumen bestandenen Waldes, sind drei Tierkampfszenen dargestellt: Löwe gegen Wildschwein, Leopard gegen Hirsch, Panther gegen Stier.

Die Übernahme von Motiven exotischer Tiere in der europäischen Kultur war typisch zur Zeit der Renaissance und des Barocks.

Der verhältnismäßig flache Deckel weist auch einen weißsilbernen Überfang auf. Hier finden sich, ebenfalls vor Bäumen, Jagdszenen und er ist von einem stehenden Löwen bekrönt. Derartige Silbergegenstände, die früher als Knopfbecher und heute als Kugelbecher oder Panther gegen Stier - Tierkampfszenen auf dem Prunkbecher Kugelfußbecher bezeichnet werden, waren im Barock vor allem als Ehrengeschenke sehr beliebt.

Der von der Galerie Neuse angebotene Becher war gewiss für die Silberkammer eines Fürstenhofes bestimmt – sei es, dass er direkt von einem fürstlichen Auftraggeber bestellt wurde, sei es, dass er als Präsent für einen fürstlichen Empfänger bestimmt war. Darauf lässt auch das Thema der Tierkämpfe schließen, welches auf die als Privileg des Adels anzusehende Jagd Bezug nimmt. Hier ist an die Tierhatzen zu denken, wie sie als fürstliche Vergnügungen an den Höfen veranstaltet wurden.

Es liegt die Annahme nahe, dass der von einem Dessauer Goldschmied gefertigte Becher einem Fürsten des Hauses Anhalt gehörte oder als Widmungsgeschenk zugedacht war. Dagegen mag die Tatsache sprechen, dass uns der Löwe nicht in der anhaltischen Heraldik begegnet (freilich könnte der Deckelbecher für den Repräsentanten eines Hauses mit dem Löwen als Wappentier bestimmt gewesen sein).

Allein der durch Erbschaft im 19. Jahrhundert nach Dessau gelangte Anhaltische Silberschatz blieb bis 1945 erhalten und ging am Ende des zweiten Weltkrieges verloren. Der nun erworbene Prunk-Becher gehörte nicht zum Bestand der Dessauer Silberkammer.

Umso größere Bedeutung bekommt der Erwerb des imposanten Deckelbechers, der eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse der Dessauer Goldschmiedekunst hohen Anspruchs repräsentiert.


Weitere Informationen:

Link zu einer weiteren Seite der Präsentation www.dessau-rosslau.de. Museum für Stadtgeschichte Dessau
Schloßplatz 3 a
06844 Dessau-Roßlau

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