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80 Jahre Anhaltische Gemäldegalerie Dessau

Die renommierteste Adresse alter Kunst in Sachsen-Anhalt

Schloss GeorgiumDie Anhaltische Gemäldegalerie - die die  größte und bedeutendste Sammlung alter Malerei und Graphik des Landes Sachsen-Anhalt beherbergt- kann auf ihr 80-jähriges Bestehen zurückblicken. Mit ihrer Gründung am 17. September 1927 wurde ein hauptsächlich nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Fürstenabfindung 1918/1919 konsequent verfolgtes Anliegen Wirklichkeit, den reichen, auf Anhalts Schlösser verteilten Kunstbesitz zu vereinen und vor allem der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Zeugnisse vergangener Jahrhunderte würdevoll untergebracht zu wissen, erfuhr um 1900 eine zunehmende Resonanz und fand schließlich auch von öffentlicher Seite die entsprechend notwendige Unterstützung. Die Verhandlungen der Stadt Dessau und des Freistaates Anhalt mit dem Herzoghaus Anhalt hatten im Dezember 1926 zu einem Abkommen geführt, das vor allem die Besitzverhältnisse zwischen beiden regelte. Dabei ging auch das im Zentrum der Stadt an der Kavalierstraße gelegene Palais Reina in Staatsbesitz über. Dieses zeigte sich geradezu prädestiniert für die Unterbringung einer Gemäldegalerie. Die festlichen Säle mit ihrer der klassizistischen Tradition des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches folgenden reichen Wandgestaltung boten einen würdigen Ort für die herausragenden Gemäldebestände.

Als erster Galeriedirektor wurde Dr. Ludwig Grote (1893-1974) berufen. Er legte zugleich den konzeptionellen und bis heute gültigen Grundstein der Gemäldegalerie. Grote gehört zu den Wegbereitern des modernen Museumswesens, indem er die Kunstwerke sowohl nach kunsthistorischen als auch pädagogischen Kriterien zusammenstellte, um sie unabhängig von ihrem einstigen historischen Kontext in der systematischen Ordnung eines Kunstmuseums zu präsentieren und auf diese Weise möglichst breiten Bevölkerungskreisen nahe zu bringen. Dieser Aufgabe sieht sich die Gemäldegalerie bis heute verpflichtet. Zudem fühlte sich Grote mit dem nach Dessau übergesiedelten Bauhaus auf das engste verbunden. Seine wichtigste Mitarbeiterin in dieser Zeit war Dr. Marie-Luise Harksen (geb. Schmidt). Beide kündigten gleichzeitig, um einer Entlassung durch die Nationalsozialisten zuvor zukommen.

Nach dem hoffnungsvollen Anfang unter Ludwig Grote ergab sich anlässlich des 10-jährigen Bestehens 1937 und angesichts der nationalsozialistischen Machtergreifung ein deprimierendes Resümee, wie es kontrastreicher nicht sein konnte. So fand auch in Dessau die Ausstellung "Entartete Kunst" statt. Die durch die Verkäufe und Vernichtung von Kunstwerken der "klassischen Moderne" entstandenen Verluste sind bis heute irreversibel. Einschneidend waren auch die Kriegs- und Nachkriegsjahre, die mit der Auslagerung der Kunstwerke im August 1939 einsetzten, die vollständige Zerstörung des Galeriegebäudes bei den Luftangriffen brachten und schließlich in dem Abtransport von Tausenden von Kunstwerken als Kriegsbeute durch sowjetisches Militär im April 1946 gipfelten. Bis heute umfassen die Kriegsverluste über 200 Gemälde und zahlreiche Graphiken. Dr. Julie Harksen (1898-1980), die in den 1930er Jahren als unbezahlte Volontärin an der Galerie angestellt war, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von dem wieder in sein Amt eingesetzten Oberbürgermeister, Fritz Hesse, an der Galerie fest angestellt und führte diese als Direktorin durch die bewegten Nachkriegsjahre.

Mit der Rückkehr eines großen Teiles des Gemäldebestandes aus der Sowjetunion erfolgte im Juni 1959 der Umzug der Gemäldegalerie vom Palais Bose in der Johannisstraße in das Schloss Georgium, wo sie sich bis heute befindet.

Seit 1994 hat die Gemäldegalerie eine erhebliche Erweiterung erfahren: die Neueinrichtung der Graphischen Sammlung mit zusätzlichen Ausstellungs- und Depoträumen im rekonstruierten historischen Fremdenhaus, der Ausbau der Orangerie des Schlosses für die Sonderausstellungen sowie die Nutzung der Remise für die Verwaltung und Bibliothek. Das hohe Ansehen der Anhaltischen Gemäldegalerie bestätigt sich nicht zuletzt vor allem auch in den jährlich zunehmenden Leihanfragen des In- und Auslandes. Eine sehr wichtige Unterstützung erfährt die Gemäldegalerie auch durch den 1999 gegründeten Förderverein "Anhaltische Gemäldegalerie und Georgengarten" Dessau e.V.

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