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475 Jahre Johannbau
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    475 Jahre Johannbau

    Baugeschichte nicht lückenlos geklärt

    Vom ehemaligen, im 2. Weltkrieg zerstörten Dessauer Residenzschloss des anhaltischen Fürsten- und Herzogshauses hat nur der „Johannbau“ genannte Westflügel bis heute überdauert. Dem vom Krieg schwer gezeichneten Johannbau wurde 1991-1999 - mit kontinuierlicher Unterstützung des Bundes und Johannbaudes Landes Sachsen-Anhalt und ergänzt durch Mittel der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt - seine ursprüngliche Gestalt wiedergegeben. Einzig der kubische Unterbau (Altan) des Treppenturms harrt noch seiner endgültigen Wiederherstellung, damit dessen architekturgeschichtliche Bedeutung wieder nachvollziehbar wird.

    Denn vor 475 Jahren war der Johannbau einer der frühesten und bedeutenden Schlossbauten der deutschen Frührenaissance. Seine charakteristischen Merkmale sind die mit Kugeln und Lilienmaßwerkfriesen verzierten Rundbogengiebel an den Schmal- und Längsseiten des Baus sowie der Treppenturm mit dem über dem Altan aufsteigenden Wendelstein. Dieser Treppenturm ist, trotz einiger kriegsbedingter Verluste, sowohl in seiner bauzeitlichen Substanz als auch im architektonischen Aufbau weitgehend erhalten; allerdings gingen etliche Teile der Altan-Architektur verloren. Dazu gehören leider die zweite, von Süden her zum Wendelstein hinauf führende Freitreppe, die mit Wappen geschmückten Sandsteingeländer beider Freitreppen, die sandsteinerne Brüstung des Altans mit der von Wappen flankierten Inschriftentafel von 1533 und auch die Wasserspeier am Altangesims. Das architektonische Schema des Altans - kubischer Unterbau mit Portal und zwei seitlichen Freitreppen sowie mit Wappendarstellungen an Brüstung und Geländern - erscheint in der mitteldeutschen Schlossbaukunst erstmalig hier in Dessau und ist eine Neuschöpfung, die Ludwig Binder zugeschrieben wird. Diesem Schema folgte der Unterbau des Großen Wendelsteins am Flügel C des Torgauer Schlosses, mit dessen Bau 1533 erst begonnen wurde, und es kam auch später noch an dem sich unmittelbar auf Torgau beziehenden Treppenturm des Joachimsbaus (1538/39) in Berlin zur Nachwirkung, dort allerdings nur mit einseitiger Freitreppe.

    Auch wenn bisher Ludwig Binder als Baumeister des Johannbaus, zumindest aber des Treppenturms gilt, so ist die Autorschaft doch noch nicht mit letzter Sicherheit geklärt. Dass die Dessauer Fürstenbrüder Johann IV. (1504-1551), Georg III. (1507-1553) und Joachim von Anhalt (1509-1561) die Bauherren des Schlossflügels waren, ist dagegen inschriftlich überliefert.

    Wann genau der Johannbau errichtet wurde, steht nicht fest. Bislang wurde, weil die Jahre 1531-33 für den gleichzeitig entstandenen Treppenturm gesichert sind, die Bauzeit zwischen „um 1530“ und 1533 angenommen. Neuerdings aufgefundene Briefe der Dessauer Fürstenbrüder belegen allerdings, dass nicht nur vorgefertigte Werkstücke aus Sandstein (z.B. Türen, Fenster), sondern auch „Holz und Kalkstein und anderes, so zum Gebäu(de) vonnöten“ - und damit dürfte der Johannbau gemeint sein - bereits 1528 und 1529 in Sachsen bestellt und 1529 auf der Elbe per Floß herangeschafft worden sind und dass „haus und torm“ im Mai 1530 „gerichtet“ wurden. Daraus folgt, dass der Baubeginn des Johannbaus bereits im Jahr 1529 anzusetzen ist. Es bleibt zu hoffen, dass sich weitere neue Quellen auftun, um noch mehr Licht in das Dunkel der Baugeschichte des Johannbaus bringen zu können.

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