Sie sind hier: Archiv25 Jahre friedliche Revolution

Gedenken

25 Jahre friedliche Revolution in Dessau

Glasnost und Perestroika waren die Schlagworte Ende der 1980er Jahre. Seit Michael Gorbatschow versuchte, den sich

abzeichnenden Zusammenbruch des sozialistischen Weltsystems mit Reformen zu verhindern. Bei den Regierenden in der DDR stieß er damit auf Ablehnung. Die Unzufriedenheit der Menschen ließ sich aber nicht bändigen. Die von mutigen Bürgern vielerorts nachgewiesene Fälschung der Wahlergebnisse bei den Volkskammerwahlen am 7. Mai 1989 und die Öffnung der ungarisch-österreichischen Grenze im September 1989 verschärften die finale Krise der DDR.

Auch in Dessau war es Aktivisten gelungen, die Wahlfälschung am 7. Mai 1989 eindeutig nachzuweisen. Die Unzufriedenheit, der Ruf nach Veränderungen brach sich am 24. September 1989 erstmals öffentlich Bahn, als der Methodistenpfarrer Stefan Weller seine Gemeinde in der Friedenskirche in der Tempelhofer Straße aufrief, sich für das Neue Forum zu engagieren. Das Neue Forum Dessau wurde schließlich am 12. Oktober 1989 (einem Donnerstag) in der Friedenskirche in einem kleinen Kreis um Steffen Weller und Kersten Beckert gegründet. Am Montag zuvor hatten bereits zahlreiche Menschen aus Dessau und Roßlau zu den Teilnehmern am Gebet für Erneuerung in der Leipziger Nikolaikirche und den 70.000 Demonstranten gezählt, die anschließend durch die Leipziger Innenstadt zogen.

Am 20. Oktober 1989 (einem Freitag) fand das erste Gebet um Erneuerung in der Dessauer Johanniskirche statt. Fast 3.000 Menschen befanden sich in der Kirche, etwa 1.000 vor dem Sakralbau. Anschließend demonstrierten Tausende durch Dessau. Gebete um Erneuerung mit anschließenden Demonstrationen und öffentlichen Dialogen in freier Meinungsäußerung fanden auch an den folgenden Freitagen mit immer mehr Teilnehmern statt. An der größten Demonstration am 4. November 1989 beteiligten sich mehr als 50.000 Menschen. Nach der Öffnung der Grenzen zur Bundesrepublik Deutschland und Westberlin nahm die Zahl der Teilnehmer an den Dessauer Freitagsdemonstrationen allmählich ab.

Die Demokratiebewegung in Dessau blieb allerdings stark und wachsam. Am 5. Dezember 1989 tagte zum ersten Mal der Runde Tisch Dessau. Er sollte als demokratisches Forum die Interessen der Bürger vertreten und das gesellschaftliche Leben sichern helfen. Letztmalig fand sich der Runde Tisch Dessau am 24. April 1990 zusammen. Zwei Mal setzte die Demokratiebewegung unserer Stadt danach landesweit beachtete Zeichen: mit der Vernichtung der Waffen von elf Dessauer Kampfgruppeneinheiten am 31. Januar 1990, was insbesondere durch die Initiative der aus Mitarbeitern der Magnetbandfabrik bestehenden Gruppe "6. Dezember" möglich war, und mit der Durchführung der ersten freien Gemeinderatswahl in der DDR in Dessau-Mildensee am 3. Februar 1990. Die aus dem Stahl der zerstörten Dessauer Kampfgruppenwaffen gefertigte "Friedensglocke" auf dem Platz der Deutschen Einheit am Rathaus erinnert dauerhaft an die Friedliche Revolution 1989/1990 in unserer Stadt.
Die Friedliche Revolution begann vor 25 Jahren. Im Oktober und November gedenken eine Reihe von Veranstaltungen an dieses für die Entwicklung unserer Stadt so wichtige Ereignis und die damaligen Protagonisten.

 

Ökumenischer Dankgottesdienst zur Erinnerung an die friedliche Revolution

"Keine Gewalt!" - dieser Ruf aus dem Herbst 1989 hat sich tief in unserem Gedächtnis eingegraben.
"Keine Gewalt!" - diese Worten mahnten uns zu Besonnenheit, Klugheit und Geduld, den Weg der Veränderung friedlich zu gehen.
"Keine Gewalt!" - diese Worte lehren uns angesichts globalpolitischer Veränderungen, das Gut der friedlichen Revolution in unserem Land wertzuschätzen und dafür dankbar zu sein.

Das wollen wir tun und all den Menschen danken, die vor 25 Jahren in Dessau und Umgebung zusammen mit vielen anderen mutig den Weg in die Freiheit gebahnt haben. Was jetzt nach 25 Jahren selbstverständlich ist, wurde im Herbst 1989 unter hohem Einsatz erstritten und erkämpft. Das wollen wir nicht vergessen und den Nachgeborenen weitergeben. Wir wollen Dank sagen und unseren Dank vor Gott bringen. Gestärkt durch sein Wort in den Gebeten um Erneuerung gingen wir damals auf die Straßen - auch hier in Dessau.

So laden wir herzlich ein zum Ökumenischen Dankgottesdienst anlässlich 25 Jahre Friedliche Revolution am
13. Oktober, um 19.30 Uhr in die Dessauer Johanniskirche. Nach einer Zeit des Ankommens (ab 18.45 Uhr) mit Gesprächen und Bildern vom Herbst ´89 und einer Ausstellung beginnt der Gottesdienst um 19.30 Uhr. Nach dem Gottesdienst wollen wir mit brennenden Kerzen zur Friedensglocke auf dem Platz der deutschen Einheit gehen und nehmen damit den Weg vom Herbst ´89 auf.

Mittwoch, 22. Oktober 2014, 18.30 Uhr Dessau-Roßlau, St. Johannis: Diskussionsrunden "Zivilcourage - die Friedliche Revolution in Dessau"

  • 18.30 Uhr: Begrüßung
  • 18.40 Uhr: Der Offene Kanal Dessau zeigt Dokumente aus der Wendezeit
  • 19.00 Uhr: Zeitzeugen-Podium mit Dr. Jürgen Neubert / Alfred Radeloff / Klemens Koschig / Angelika Storz / Guido Fackiner, Moderation: Dr. Alf Christophersen
  • 20.00 Uhr: Zeitzeugen-Podium: Nachgefragt-Runde aus dem Publikum
  • 20.45 Uhr: Fachvortrag "Zivilcourage heute - Gestaltungswille oder Symbolpolitik?"
  • 21.30 Uhr: Ende der Veranstaltung

Evangelische Landeskirche Anhalts

 Copyright © Stadtverwaltung Dessau-Roßlau · Zerbster Straße 4 · 06844 Dessau-Roßlau
Kontakt zum Redakteur Zum Inhalt Seite drucken Seite empfehlen Zum Seitenanfang