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    100 Jahre Kino

    Als die Bilder in Dessau laufen lernten 

    Wenn wir es uns heute in einem vollklimatisierten Kinosaal mit einer Tüte Popcorn auf dem Schoß Das ehemalige Palasttheater in der Johannisstraßebequem machen, denkt wohl kaum einer daran, wie einst einmal alles begann, als der Kinematograf seinen Siegeszug um die Welt antrat. Es war im Jahr 1895, als die Brüder Max und Emil Skladanowsky in Berlin sowie Auguste und Lois Lumière in Paris fast zeitgleich dem erstaunten Publikum die ersten kleinen Filme präsentierten.  Waren es anfänglich noch Varietès, in denen Filme gezeigt wurden, begaben sich Schausteller bald mit den Kinematografen auf Wanderschaft, so wie es einst die Theater machten.

    Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde "der Kino", so die neue kurze Bezeichnung, langsam sesshaft. Die aufstrebende fürstliche Residenzstadt Dessau konnte sich rühmen, bereits im Jahre 1906 die Eröffnung des ersten Kinematografen-Theaters vermelden zu können. Und das lange vor anderen, größeren Städten in Deutschland. Am 1. Dezember lud Rudolf Hartkopf, ein Schausteller und Museumsbesitzer aus Magdeburg, zum Besuch seines Biograph-Theaters in die Askanische Straße 36 (heute 46) in die Hinterräume des Hotels "Zum Schultheiß" ein. Gespielt wurde "Der Räuberhauptmann von Köpenick" - erst ein paar Wochen vorher hatte Schuster Voigt die Obrigkeiten zum Narren gehalten. Begleitet wurden die kurzen Filme von einem Klavierspieler, sonntags gesellte sich noch ein Geiger dazu. Die Leute begeisterten sich schnell für dieses neue Freizeitvergnügen. Die überaus exponierte Lage des Kinos - die Askanische Straße mit Straßenbahn, neuen Geschäftshäusern und gerade entstehender Schwimmhalle war voller Leben - trug sicher auch zum Erfolg bei. Bereits zwei Jahre später zog der Kino in größere Räume in die Kavalierstraße 16. Auch dieser Ort konnte nicht besser gewählt sein, war die Kavalierstraße doch Dessaus Flaniermeile schlechthin.

    Dass dieser Erfolg nicht einem allein beschieden sein sollte, war abzusehen. Schlag auf Schlag wurden nun zahlreiche Kinos eröffnet, viele verschwanden aber bald wieder. Im Jahr 1913 waren es noch sechs - diese Vielzahl sollte es in Dessau nie wieder geben. Der Konkurrenzkampf war nicht immer fair, die Angebote doch oft sehr ähnlich. Meist war es leichte Kost, Hartkopf setzte aber auch auf allgemeinbildende Themen, was sein Kino doch von anderen unterschied. So zeigte er nur zwei Tage nach dem Dessauer Rathausbrand im Jahr 1910 eigene Aufnahmen von diesem schrecklichen Ereignis.
    Mit der Zunahme des Filmangebotes wurden nun auch die Inhalte derer verstärkt unter die Lupe genommen. Schund- und Schmutzfilme stellten eine öffentliche Gefahr für die unteren Schichten und besonders für Kinder und Jugendliche dar. Eine scharfe Zensur wurde gefordert. Mit einer neuen Polizeiverordnung, die 1914 in Kraft trat, wollte man dem Genüge tun, wenn auch in mehr abgeschwächter Form, als einige Reformer es wollten.

    KinoreklameDie Filme wurden nun länger und künstlerisch wertvoller. Einige Kinos lockten mit alleinigen Aufführungsrechten an einem neuen Kunstfilm. Preiserhöhungen konnte man da nicht umgehen.
    Einem Antrag, ein theaterähnliches Kino  in der Askanischen Straße neben der Kunsthalle (heute Museum für Naturkunde und Vorgeschichte) zu bauen, wurde seitens der städtischen Baukommission unter dem OB Dr. Ebeling im Jahr 1913 nicht stattgegeben.

    Der 1. Weltkrieg kündigte sich an, Spionagefilme und "schreiende"  Werbeplakate wurden verboten, ausländische Filme nur noch wenig gezeigt. Am 31. März 1914 schloss Hartkopfs Biograph-Theater für immer seine Pforten. Die Schließung ließ viele Fragen offen, die nie geklärt wurden. Und es sollte nicht bei der einen Schließung bleiben: Anfang der 20-er Jahre des vorigen Jahrhunderts gab es in der Stadt Dessau nur noch das Residenz-Theater in der Leopoldstraße (späteres Zentral-Theater in der Ferd.-v.-Schill-Straße).

    Wer noch mehr über die Frühzeit des Kinos in unserer Stadt wissen möchte, ist herzlich am 7. Dezember 2006, um 19 Uhr in das Stadtarchiv eingeladen: Christa Tietz, 100 Jahre Kino in Dessau. Streifzüge durch die Geschichte der Kinematografie und die Frühzeit des Kinos in unserer Stadt. Vortrag mit Lichtbildern

    Cornelia Müller

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